
Mechanikbauteile
Bauteilspezifikation erstellen: Angaben für eindeutige Bestellungen
Bauteilspezifikation erstellen: So werden Bezeichnung, Toleranzen, Werkstoffangabe und Nachweise bestellfähig, mit Dokumentenmatrix und KS-Beispiel.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Spezifikation muss drei Ebenen trennen: Bezeichnung, deklarierte Merkmale und Nachweise.
- Eine Norm ist nur eine Erkenntnisquelle. Fehlende Festlegungen setzt der Auftraggeber selbst im Vertrag.
- Maße gehören in Text und Zeichnung, sollten aber nicht aus einer bildlichen Darstellung abgegriffen werden.
- Die Werkstoffangabe beschreibt ein Leistungsverlangen, kein Herstellrezept.
Drei Ebenen, die auseinandergehalten werden müssen
Eine Bauteilspezifikation wird schnell unübersichtlich, wenn Bezeichnung, Merkmale und Nachweise in einem Absatz vermischt werden. Trennen Sie diese drei Ebenen sauber. Die Bezeichnung benennt das Produkt eindeutig. Die deklarierten Merkmale beschreiben, welche Leistungswerte gelten. Die Nachweise sagen, welches Dokument diese Werte belegt.
Diese Trennung hat einen praktischen Grund. Nach den Hinweisen zur Normungsarbeit ist eine Norm nur eine Erkenntnisquelle für technisch ordnungsgemäßes Verhalten im Regelfall. Sie enthält selten alle für einen Gegenstand benötigten Angaben. Genau diese Lücke füllt die Spezifikationsakte.
Wer die drei Ebenen trennt, erkennt sofort, wo eine Angabe fehlt. Fehlt die Bezeichnung, ist das Produkt nicht bestellbar. Fehlt ein Merkmal, ist die Leistung offen. Fehlt der Nachweis, ist die Leistung behauptet, aber nicht belegt. Wer diese Prüfung je Merkmal festhält, sieht Lücken, bevor bestellt wird.
Die Bezeichnung als Kernstück der Bestellung
Die Bezeichnung entscheidet, ob Lieferant und Besteller dasselbe Produkt meinen. Beim Kalksandstein folgt sie der Anwendungsnorm DIN 20000-402. Sie setzt sich zusammen aus Steinsorte, DIN-Hauptnummer, Steinart, Steindruckfestigkeitsklasse, Steinrohdichteklasse und Format-Kurzzeichen.
Ab dem Format 4 DF ist zusätzlich die Wanddicke anzugeben. Statt des Format-Kurzzeichens dürfen auch die Maße in der Reihenfolge Länge, Breite, Höhe stehen. Die Breite entspricht dabei der Wanddicke.
Ein hypothetisches Kurzbeispiel zeigt den Unterschied. Die unvollständige Angabe "Kalksandstein 12" lässt Format, Steinart und Rohdichte offen. Ergänzt lautet die vollständige Bestellbezeichnung: Kalksandstein DIN 20000-402 - KS L-R P 12 - 1,4 - 8 DF (240).
Jedes Element trägt eine Information. KS L-R P benennt die Steinart als Hohlblockstein mit Nut-Feder-System in Plansteinausführung. Die 12 steht für die Steindruckfestigkeitsklasse, 1,4 für die Rohdichteklasse, 8 DF (240) für Format und Wanddicke. So bleibt die Bezeichnung ohne Rückfrage auslegbar.
Grenzabmaße, Zeichnung und Werkstoffangabe
Grenzabmaße sind kein Nebenthema, sondern ein Bestandteil der Bestellung. Für Kalksandsteine gilt: Die deklarierte Abmaßklasse muss bei Verwendung mit Dünnbettmörtel mindestens T3 und bei Verwendung mit Normalmauermörtel mindestens T1 entsprechen. Für KS-Verblender gelten die Grenzabmaße der Klasse Tm.
Wer diese Klassen nicht angibt, bekommt möglicherweise Steine, die formal der Norm entsprechen, aber nicht zum vorgesehenen Mörtel und Verband passen. Die Toleranzangabe ist damit eine Leistungsanforderung, nicht nur eine Prüfgröße. Der Lieferant kann sonst nur liefern, was er selbst für passend hält.
Bei Zeichnungen gilt ein einfacher Grundsatz. Bildliche Darstellungen in Normen brauchen nicht maßstabsgerecht zu sein. Maße sollten deshalb nicht aus der Darstellung abgegriffen werden. Steht eine Zeichnung unvollständig bemaßt da, muss der Auftraggeber prüfen, welche Maße er selbst festlegt.
Die Werkstoffangabe ist ähnlich zu behandeln. Sie bezieht sich nur auf eine oder mehrere wahlweise verwendbare Werkstoffsorten. Sind mehrere Werkstoffe zur Wahl gestellt, muss der Auftraggeber die gewünschte Angabe in die Bezeichnung einsetzen. Eine übermäßige Einengung hat sich als unzweckmäßig erwiesen, weil die Werkstoffangabe in erster Linie ein Leistungsverlangen und kein Herstellrezept sein soll. Offene Werkstoffangaben würden sonst in die Entscheidung des Lieferanten fallen.
Dokumentenmatrix: Angabe, Quelle, Verantwortlicher, Nachweis
Die folgende Matrix ist ein Beispiel, kein Formular aus einer Norm. Sie ordnet jeder Angabe eine normenbasierte Quelle, einen Verantwortlichen im eigenen Haus, einen Nachweistyp und das Datum der letzten Änderung zu. Die Spalte "letzte Änderung" im Beispiel ist fiktiv gesetzt.
Show the numbers
| Steindruckfestigkeitsklasse 12 | 2,025–8 |
|---|---|
| Rohdichteklasse 1,4 | 2,025–8 |
| Format 8 DF (240) | 2,025–8 |
| Abmaßklasse T3 | 2,025–8 |
| Bezeichnung nach DIN 20000-402 | 2,025–8 |
Diese Matrix hat einen Nebeneffekt. Sie zeigt, welche Angaben der Auftraggeber selbst setzen muss, weil die Norm sie offen lässt. Fehlt eine Zeile, ist die Spezifikation unvollständig, nicht der Lieferant. So wird die Lücke sichtbar, bevor bestellt wird.
Mit der Bezeichnung nach DIN 20000-402 auf dem Lieferschein bestätigt der Hersteller, dass die CE-gekennzeichneten Kalksandsteine nach DIN EN 771-2 im Sinne der Landesbauordnungen und auf Grundlage der VV TB in Deutschland verwendet werden dürfen. Der Besteller muss diese Prüfung dann nicht mehr selbst leisten.
Wo die Norm endet und der Vertrag beginnt
Nicht alle nach DIN EN 771-2 herstellbaren Kalksandsteine erfüllen die in Deutschland geltenden Bauwerksanforderungen. Für Produkte, die die Anforderungen nach DIN 20000-402 nicht erfüllen, muss gemäß den Landesbauordnungen eine Bauartgenehmigung des Deutschen Instituts für Bautechnik vorliegen. Diese Grundlage tritt an die Stelle des Normverweises.
Daraus folgt für die Spezifikation ein klarer Arbeitsschritt. Ist eine Eingruppierung nach DIN 20000-402 nicht möglich, reicht der Verweis auf die Norm nicht aus. Der Auftraggeber muss die Verwendung dann über eine andere Grundlage klären und diese in der Spezifikation benennen. Die gewählte Grundlage muss aus der Spezifikation klar hervorgehen.
Für alle übrigen Fälle gilt: Was die Norm nicht festlegt, wird vertraglich gesetzt. Das betrifft zum Beispiel Oberflächen, Verpackung, Lieferform, Kennzeichnung am Bauteil oder besondere Prüfungen. Solche Angaben sind keine Normzitate, sondern eigene Festlegungen des Auftraggebers. Sie sind Teil der vertraglichen Leistungsbeschreibung.
Ein wiederkehrender Fehler ist die Annahme, die Norm regle bereits alles. Die Quellen sagen das Gegenteil. Der Anwender soll prüfen, ob ergänzende Angaben in anderen Normen stehen oder beim Bestellen besonders festgelegt werden müssen. Diese Prüfung ist Teil der Spezifikationsarbeit. Wer sie überspringt, trägt das Risiko offener Angaben selbst.
Häufige Fragen
Was gehört zwingend in eine Bestellbezeichnung für Kalksandsteine?
Nach DIN 20000-402 sind Steinsorte, DIN-Hauptnummer, Steinart, Steindruckfestigkeitsklasse, Steinrohdichteklasse und Format-Kurzzeichen anzugeben. Ab dem Format 4 DF kommt die Wanddicke hinzu. Die Maße dürfen statt des Format-Kurzzeichens in der Reihenfolge Länge, Breite, Höhe stehen.
Darf ich Maße direkt aus einer Zeichnung abgreifen?
Nein. Bildliche Darstellungen in Normen brauchen nicht maßstabsgerecht zu sein, deshalb sollten Maße nicht aus der Darstellung abgegriffen werden. Maßgeblich sind die im Text oder in der Zeichnung ausdrücklich angegebenen Werte. Unvollständig bemaßte Darstellungen muss der Auftraggeber selbst ergänzen.
Was passiert, wenn die Norm eine Angabe nicht enthält?
Dann ist zu prüfen, ob eine andere Norm die Angabe liefert. Ist das nicht der Fall, muss der Auftraggeber die Festlegung beim Bestellen selbst treffen. Die Norm ist eine Erkenntnisquelle, nicht der vollständige Vertragstext.
In diesem Leitfaden
- Welche Angaben auf dem Lieferschein die Verwendbarkeit belegen?Lieferschein Bauteil prüfen: Welche Bezeichnung nach DIN 20000-402, welche CE-Angaben und welche Leistungserklärung am Wareneingang die Verwendbarkeit belegen.
- Wie reichen Sie einen Normungsantrag für Bauteile ein?Normungsantrag für Bauteile einreichen: kostenfreie Registrierung, Online-Formular, fiktives Beispiel und der Entscheidungsprozess bis zur Stellungnahme.
- Dokumentation für spätere Arbeiten an Bauteilen anlegenWelche Unterlagen bei Bau- und Montagearbeiten entstehen müssen, damit spätere Arbeiten an Bauteilen sicher geplant werden können, inklusive Ablageplan.



