Vergleich von IP-Code und NEMA-Schutzarten für Gehäuse
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Mechanikbauteile

Gehäuse-Schutzart auswählen: IP-Code und NEMA im Umfeldvergleich

IP-Code und NEMA lesen: So ordnen Sie Schutzarten einer Industrieumgebung zu, wählen die richtige Kennziffer und vermeiden falsche Übertragungen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der IP-Code besteht aus zwei Kennziffern: Die erste beschreibt den Berührungs- und Fremdkörperschutz, die zweite den Wasserschutz.
  • NEMA-Schutzarten beschreiben Aufstellungsort und äußere Einflüsse in einem Stichwort, nicht in zwei Zahlen.
  • Eine direkte Umrechnung IP in NEMA ist nicht belegt. Prüfen Sie beide Angaben getrennt und nur für den konkreten Einsatzort.
  • IPX9 ist ein eigener, normativ geregelter Schutzgrad für Hochdruckreinigung und keine Ableitung aus IPX6.

Die Auswahl einer Gehäuseschutzart wirkt einfach, solange nur ein Datenblatt vorliegt. Schwierig wird sie, wenn Umgebungsbedingungen zusammenfallen: Staub im Betrieb, Spritzwasser beim Reinigen, Frost im Winter, korrosive Luft im Außenbereich. Der IP-Code und die NEMA-Klassifizierung beantworten unterschiedliche Teile dieser Frage. Wer sie verwechselt, wählt entweder zu schwach oder unnötig teuer.

Was der IP-Code mit seinen zwei Kennziffern aussagt

Der IP-Code ist normativ breit geregelt. Die geltende deutsche Ausgabe trägt den Titel "Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code)", fasst IEC 60529:1989 mit den Änderungen A1:1999 und A2:2013 zusammen und entspricht der deutschen Fassung EN 60529:1991 + A1:2000 + A2:2013. Sie ist als DIN EN 60529:2014-09 veröffentlicht. Ausgabe, Änderungsstand und Fundstelle gehören in jede belastbare Schutzartangabe, weil sich aus dem bloßen Kürzel "IP67" keine Prüfaussage ableiten lässt.

Kennziffernkombinationen sind immer von festgelegter Bedeutung. Anbieter wie Rittal führen die Kennziffern in einer Übersicht: Die Kennzeichnung der IP-Schutzart erfolgt durch zwei Kennziffern, die erste steht für Berührungs- und Fremdkörperschutz, die zweite für Wasserschutz.

Praktisch heißt das: Notieren Sie zuerst zwei getrennte Antworten. Welche festen oder staubenden Stoffe können in das Gehäuse gelangen? Welche Art Wasserangriff trifft es? Erst danach suchen Sie die passende Ziffernpaarung. Diese Trennung verhindert den häufigsten Denkfehler, aus einer hohen Wasserziffer automatisch einen guten Staubschutz abzuleiten.

Erste Kennziffer: Berührungs- und Fremdkörperschutz von 50 mm bis staubdicht

Die erste Kennziffer staffelt Fremdkörper nach Durchmesser und endet in zwei Staubstufen. Die entscheidenden Stufen in der Übersicht von Rittal:

  1. Kennziffer 1: Objektsonde Kugel 50 mm darf nicht voll eindringen.
  2. Kennziffer 2: Kugel 12,5 mm darf nicht voll eindringen; der gegliederte Prüffinger darf bis 80 mm Länge eindringen.
  3. Kennziffer 3: Kugel 2,5 mm darf überhaupt nicht eindringen.
  4. Kennziffer 4: Kugel 1,0 mm darf überhaupt nicht eindringen.
  5. Kennziffer 5: staubgeschützt, Staub darf nur in unschädlicher Menge eintreten.

Die Kennziffer 6 steht für staubdicht und beschreibt damit eine messbare Bedingung: kein Eindringen von Staub bei einem Unterdruck von 20 mbar im Gehäuse. Die Stufe 5 lässt dagegen Staubeintritt zu, solange die Funktion oder Sicherheit des Geräts nicht beeinträchtigt wird.

Für die Praxis folgt daraus eine einfache Grenze. In einer Halle mit metallischen Spänen oder groben Partikeln genügt Kennziffer 3 oder 4. In einer Umgebung mit feinem, leitfähigem oder feuchtigkeitsbindendem Staub ist Staubdichtheit nach Kennziffer 6 die belastbare Wahl. Ein Zwischenfall beim Reinigen oder Umrüsten reicht aus, um Kennziffer 5 unbrauchbar zu machen.

Zweite Kennziffer: Tropf-, Sprüh-, Strahl- und Tauchwasser bis IPX9

Die zweite Kennziffer steigert den Wasserangriff schrittweise. Nach der Kennziffernübersicht von Rittal zum Schutzarten-System gilt:

Ziffer Bezeichnung Bedingung
1 Tropfwasser senkrecht fallende Tropfen ohne schädliche Wirkung
2 Tropfwasser, geneigt Neigung bis 15 Grad beiderseits der Senkrechten
3 Sprühwasser Sprühwinkel bis 60 Grad beiderseits der Senkrechten
4 Spritzwasser Wasser aus jeder Richtung
5 Strahlwasser Wasserstrahl aus jeder Richtung
6 starkes Strahlwasser starker Strahl aus jeder Richtung
7 zeitweiliges Untertauchen genormte Druck- und Zeitbedingungen
8 dauerndes Untertauchen Bedingungen zwischen Hersteller und Anwender vereinbart, schwieriger als Ziffer 7
9 Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung Wasser unter stark erhöhtem Druck aus jeder Richtung

Zwei Punkte sind für die Auswahl entscheidend. Erstens beschreibt Kennziffer 7 nur zeitweiliges Eintauchen unter genormten Druck- und Zeitbedingungen. Für dauerhaftes Untertauchen gilt Kennziffer 8, deren Bedingungen ausdrücklich zwischen Hersteller und Anwender vereinbart werden und schwieriger sein müssen als bei Ziffer 7. Ohne diese Verabredung ist die Angabe unvollständig.

Zweitens ist Kennziffer 9 eine eigene Stufe. Sie wurde mit der Neuausgabe der Norm aufgenommen: "Mit der Neuausgabe dieser Norm wird der Schutzgrad IPX9 ergänzt (Prüfung der Beständigkeit von Gehäusen gegen Hochdruckreiniger)." An den bisherigen Schutzgraden änderten sich Prüfung und Anforderungen nicht. Aus IPX6 folgt deshalb kein Schutz gegen Hochdruckreinigung, und IPX9 beseitigt umgekehrt nicht die Anforderung an den Staubschutz der ersten Kennziffer.

NEMA-Schutzarten und ihre Zuordnung zu Innen- und Außenaufstellung

NEMA-Schutzarten stammen aus einem anderen Regelungszusammenhang. Die National Electrical Manufacturers Association ist eine Normungsorganisation in Washington, USA, die technische Standards veröffentlicht, selbst aber keine Produkte prüft oder zertifiziert. Die Klassifizierung beschreibt grundsätzlich den Schutz von Personen gegen unbeabsichtigte Berührung mit Ausrüstungsgegenständen und den Schutz durch äußere Einflüsse auf einen Schaltschrank.

Die Klassen unterscheiden sich vor allem im zugelassenen Aufstellungsort und im Zusatzschutz. Die wichtigsten in der Kurzübersicht:

  • NEMA 1: Innenaufstellung, Schutz vor herunterfallendem Schmutz.
  • NEMA 2: Innenaufstellung, zusätzlich Schutz vor tropfendem Wasser.
  • NEMA 3R: Außenaufstellung, Schutz vor Regen und Schneeregen sowie vor Beschädigung durch äußere Eisbildung.
  • NEMA 4: Innen- oder Außenaufstellung, Schutz vor windgetriebenem Staub und Regen, Spritzwasser und Strahlwasser.
  • NEMA 4X: wie NEMA 4, zusätzlich Schutz vor Korrosion.

Für Innenräume mit Staub und tropfenden nicht korrosiven Flüssigkeiten sind NEMA 5 und NEMA 12 vorgesehen. NEMA 13 ergänzt den Schutz vor Spritzwasser und Öl. Für Außenaufstellung mit Regen, Schneeregen und windgetriebenem Staub ist NEMA 3 die passende Grundklasse, während NEMA 3S zusätzlich verlangt, dass externe Mechanismen trotz Eisablagerungen betriebsbereit bleiben. Gehäuse für zeitweises oder längeres Eintauchen liegen bei NEMA 6 und NEMA 6P.

Diese Klassen sind nicht als Steigerungsreihe zu lesen. NEMA 4X enthält Korrosionsschutz, NEMA 13 dagegen Öl- und Kühlmittelbeständigkeit bei Innenaufstellung. Ein Gehäuse erfüllt nicht automatisch alle Merkmale einer Klasse, nur weil eine andere Klasse erreicht ist.

Grenzen der Übertragung zwischen IP-Code und NEMA

IP-Code und NEMA-Klassifizierung sind keine austauschbaren Schreibweisen derselben Prüfung. Die Normungsorganisation NEMA prüft und zertifiziert keine Produkte; die IP-Norm beschreibt dagegen Kennziffern mit konkreten Prüfbedingungen zu Sonden, Winkeln, Drücken und Zeiten. Ein Hersteller kann für dasselbe Gehäuse beide Angaben führen, ohne dass die eine aus der anderen folgt.

Es gibt keine erfasste Äquivalenztabelle und keine normativ festgelegte Übertragungsregel. Wer eine Umrechnung vornimmt, verlässt den belegten Boden. Zulässig ist dagegen der getrennte Nachweis: Für jede geforderte Eigenschaft wird geprüft, ob die jeweilige Klassifizierung sie abdeckt.

Ein zweiter Vorbehalt betrifft den Umfang der Aussage. NEMA 4X nennt Korrosionsschutz ausdrücklich als Klassenmerkmal, während der IP-Code Korrosion in der zweistelligen Kombination nicht abbildet. Umgekehrt enthält NEMA keine Ziffernlogik für Strahlwinkel oder Fremdkörpersonden. Eine Beschaffung, die nur eine der beiden Angaben abfragt, lässt damit eine Lücke offen.

Entscheidungsweg von der Umgebung zur Kennziffer

Arbeiten Sie den Bedarf in fester Reihenfolge ab. Das Beispiel dient der Veranschaulichung und ersetzt keine objektbezogene Prüfung.

  1. Aufstellungsort festhalten: Innenraum, überdachter Außenbereich oder freie Aufstellung. Das entscheidet über die NEMA-Grundklasse.
  2. Fremdkörper und Staub beschreiben: Grobe Partikel, feiner Staub oder leitfähiger Staub. Daraus folgt die erste IP-Kennziffer.
  3. Wasserangriff benennen: Tropfen, Sprühnebel, Spritzwasser, Strahl, Hochdruckreinigung oder Untertauchen. Daraus folgt die zweite IP-Kennziffer.
  4. Dauer prüfen: Zeitweiliges Untertauchen führt zu Kennziffer 7, dauerhaftes zu Kennziffer 8 mit vereinbarten Bedingungen.
  5. Zusatzanforderungen getrennt abfragen: Korrosionsschutz, Eisbildung, Öl und Kühlmittel. Hier liefert die NEMA-Klasse die klarere Aussage.

Ein Beispiel: ein Schaltschrank in einer überdachten Waschhalle. Im Betrieb fällt feiner Staub an, dazu Spritzwasser. Gereinigt wird wöchentlich per Hochdruckreiniger, untergetaucht wird das Gehäuse nie. Aus der Umgebung folgt zuerst Kennziffer 6 für Staubdichtheit. Für die Reinigung reicht Kennziffer 6 nicht, denn starker Strahl ist nicht dasselbe wie Hochdruckreinigung. Nötig ist daher staubdichter Schutz mit Beständigkeit gegen Hochdruck-/Dampfstrahlreinigung, also Kennziffer 9. Wer zusätzlich Korrosionsschutz im Außenbereich braucht, ergänzt bei nordamerikanischer Auslegung NEMA 4X.

Prüfen Sie die gewählte Kombination anschließend gegen drei Lücken. Erstens: Deckt die erste Kennziffer den erforderlichen Berührungsschutz ab? Zweitens: Ist bei Untertauchen die Druck- und Zeitbedingung schriftlich vereinbart? Drittens: Bleibt Korrosionsschutz als separater Nachweis bestehen, wenn nur die IP-Angabe vorliegt? Solange eine dieser Fragen offen ist, ist die Auswahl nicht abgeschlossen.

Häufige Fragen

Reicht IPX9 allein als Schutzartangabe für eine Waschhalle?

Nein. Die zweite Kennziffer 9 beschreibt Wasser unter stark erhöhtem Druck aus jeder Richtung. Der Staubschutz steckt dagegen in der ersten Kennziffer. Für Staub und Hochdruckreinigung ist deshalb eine Kombination mit erster Kennziffer 6 erforderlich, etwa IP69, nicht nur "X9".

Kann ich eine IP-Angabe unmittelbar in eine NEMA-Klasse umrechnen?

Eine belastbare Umrechnung ist nicht belegt. NEMA beschreibt Aufstellungsort und äußere Einflüsse in eigenen Klassen, der IP-Code arbeitet mit zwei Kennziffern und konkreten Prüfbedingungen. Fragen Sie beide Angaben getrennt ab und lassen Sie sich jede geforderte Eigenschaft einzeln bestätigen.

Was ändert sich bei Bestandsgehäusen durch die Neuausgabe der IP-Norm?

Laut Einführungsbeitrag zur Ausgabe 2014-09 wurde der Schutzgrad IPX9 neu aufgenommen. An den bisherigen Schutzgraden wurden bezüglich Prüfung und Anforderungen keine Veränderungen vorgenommen; bestehende IP-Klassifizierungen benötigen deshalb keine zusätzliche Prüfung oder geänderte Zertifizierung. Die Ausgabe ersetzt DIN EN 60529:2000-09 und wurde 2017 und 2019 berichtigt.

In diesem Leitfaden

  1. Korrosion und NEMA 4X: was die Klassifizierung gemäß NEMA 250-2003 tatsächlich zusagtNEMA 4X verspricht zusätzlichen Korrosionsschutz. Der Text erklärt, was NEMA 250-2003 dazu sagt, was konkret fehlt und wann NEMA 4 oder 6P ausreicht.
  2. Dichtheit nach IP-Code: was Prüfungen nach DIN EN 60529 voraussetzenWas der IP-Code bei Dichtheitsprüfungen vorgibt: Fremdkörpersonden, Neigungswinkel, Unterdruck und Wasserrichtungen nach DIN EN 60529 im Überblick.
  3. IP-Anforderungen richtig dokumentieren: Kennziffer, Ausgabe und BerichtigungenSo dokumentieren Sie Schutzarten korrekt: Normausgabe 2014-09, Berichtigungen 2017-02 und 2019-06, IPX9-Zusatz und Grenzen der Angabe im Datenblatt.

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