Technische Zeichnung mit Bemaßung und Werkstoffangabe vor Fertigungsfreigabe prüfen
Bild: Bauteilheft

Mechanikbauteile

Teil von Bauteilspezifikation erstellen: Angaben für eindeutige Bestellungen

Zeichnungsangaben vollständig prüfen bevor die Fertigung beginnt

Zeichnungsangaben vor der Freigabe prüfen: Fünf-Punkte-Check zu Maß, Einheit, Werkstoff, Toleranz und Nachweis für die Fertigung an den Lieferanten.

Das Wichtigste auf einen Blick

Checkliste mit fünf Prüfpunkten vor der Zeichnungsfreigabe (Zeichnungsangaben vollständig prüfen bevor die Fertigung beginnt)
Die fünf Punkte bündeln, was vor der Freigabe an den Lieferanten zu klären ist. Image: Bauteilheft

Warum Maße aus der Darstellung keine Fertigungsgrundlage sind

Eine bildliche Darstellung muss nicht maßstabsgerecht sein. Deshalb sollten Maße nicht aus der Zeichnung abgegriffen werden, wie das DIN 820 Beiblatt 3 ausdrücklich festhält. Wer eine Bemaßungslücke durch Schätzen schließt, trägt das Risiko selbst.

Hinweise auf noch festzuhaltende Maße oder Formen sind verbindlich zu beachten. Fehlt eine solche Angabe ganz, ist die Zeichnung für die Fertigung unvollständig.

Was die Norm offen lässt und wer es schließen muss

Eine Norm enthält selten alle für den Gegenstand benötigten Angaben, so das DIN 820 Beiblatt 3. Um Rückfragen bei Bestellungen zu vermeiden, ist jeweils zu prüfen, ob ergänzende Angaben in anderen Normen stehen oder vom Auftraggeber festgelegt werden sollten.

Diese Lücke schließt kein CAD-Export. Sie entsteht im Kopf der Bestellung. Der Auftraggeber muss entscheiden, wo die Norm schweigt.

Werkstoffangabe: Leistungsverlangen statt Herstellrezept

Sind mehrere Werkstoffe zur Wahl gestellt, muss im Allgemeinen der Auftraggeber die von ihm gewünschte Werkstoffangabe in die Bezeichnung für das Erzeugnis einsetzen. Die Zusätze nach Wahl des Herstellers oder nach Vereinbarung überlassen die Werkstoffwahl dem Hersteller oder einer Vereinbarung, so das DIN 820 Beiblatt 3.

Ein leeres Werkstofffeld ist deshalb kein Freibrief. Es ist ein offener Auftrag an den Hersteller, den Sie später möglicherweise nicht mehr korrigieren können. Wer eine bestimmte Sorte braucht, setzt sie selbst.

Beispiel: was eine vollständige Produktbezeichnung enthält

Am Kalksandstein lässt sich zeigen, wie viele Einzelangaben in einer einzigen Bezeichnung stecken. Nach dem Kalksandstein-Planungshandbuch des Bundesverbands Kalksandsteinindustrie setzt sich die Bezeichnung nach DIN 20000-402 aus Steinsorte, DIN-Hauptnummer, Steinart, Steindruckfestigkeitsklasse, Steinrohdichteklasse und Format-Kurzzeichen zusammen. Ab Format 4 DF ist zusätzlich die Wanddicke anzugeben.

Ebenso gehört die Abmaßklasse dazu. Für die Verwendung mit Dünnbettmörtel muss die deklarierte Abmaßklasse mindestens T3 entsprechen, für Normalmauermörtel mindestens T1. Für KS-Verblender sind die Grenzabmaße der Klasse Tm angegeben.

Dasselbe Prinzip gilt für Ihre Zeichnung: Eine Klasse oder ein Einzelmaß muss ausdrücklich dastehen. Welche Abmaßklasse erforderlich ist, richtet sich nach der geplanten Verwendung, etwa Dünnbett- oder Normalmauermörtel.

Prüfpunkt Typische Lücke Wer sie schließt
Maßangaben Bemaßung bricht ab Konstruktion
Einheit, Bezugsmaß ohne Einheit, ohne Bezug Konstruktion
Werkstoffangabe Feld leer gelassen Auftraggeber
Toleranz Klasse oder Einzelmaß fehlt nicht festgelegt
Nachweis, Prüfung nicht benannt nicht festgelegt

Prüf- und Nachweisangaben stehen nicht auf jedem Plan

Ein Verlegeplan mit Übersichts- oder Montagezeichnung ersetzt in der Regel keine Montageanweisung. Das stellt die BGHM zur Organisation von Bau- und Montagearbeiten klar. Eine schriftliche Montageanweisung kann nur dann entfallen, wenn alle Informationen bereits aus Zeichnungen und sonstigen Dokumenten hervorgehen.

Für Ihre Prüfliste heißt das: Fragen Sie, welche Nachweise der Lieferant erbringen soll. Steht dazu nichts in der Lieferung, fehlt eine Angabe, die Sie selbst setzen müssen.

Fünf-Punkte-Prüfliste vor der Freigabe

Die folgende Liste ist ein eigenes Arbeitswerkzeug, keine normierte Vorgabe. Sie bündelt die Punkte, die in den zitierten Quellen als typische Lücken auftauchen.

  1. Maßangaben: jede Kante bemaßt, keine Schätzung aus der Darstellung.
  2. Einheit und Bezugsmaß: ausdrücklich benannt, nicht aus dem Maßstab geraten.
  3. Werkstoffangabe: vom Auftraggeber gesetzt, nicht dem Hersteller überlassen.
  4. Toleranz: Abmaßklasse oder Einzelmaß angegeben.
  5. Nachweis und Prüfung: benannt, wo der Lieferant etwas belegen soll.

Gehen Sie die fünf Punkte vor jeder Freigabe durch. Ein offener Punkt ist eine Rückfrage, die sonst Ihr Lieferant stellt.

Häufige Fragen

Darf ich ein fehlendes Maß aus der Zeichnung abgreifen? Nein. Bildliche Darstellungen müssen nicht maßstabsgerecht sein, Maße sollten deshalb nicht daraus abgegriffen werden.

Muss ich den Werkstoff selbst vorgeben? Wenn mehrere Werkstoffe zur Wahl stehen, muss im Allgemeinen der Auftraggeber die gewünschte Werkstoffangabe einsetzen.

Reicht eine Verlegezeichnung als Arbeitsanweisung? In der Regel nicht. Zeichnungen ohne zusätzliche Informationen ersetzen die Montageanweisung meist nicht, solange nicht alle Angaben daraus hervorgehen.

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