DIN 820 Beiblatt 3: Normen als Erkenntnisquelle, DIN SPEC als Ausweg
Bild: Bauteilheft

Mechanikbauteile

Teil von Kriterien, Bewertung und Audits bei der Bauteillieferantenauswahl

Normen in der Bauteilbeschaffung mit DIN 820 Beiblatt 3 und DIN SPEC richtig nutzen

Was DIN 820 Beiblatt 3 zur Bestellung sagt: historische Normen per datierter Verweisung, Werkstoffwahl und DIN SPEC als schneller Standardisierungsweg.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Norm ist nur eine Erkenntnisquelle, keine Produktbeschreibung. Ergänzende Angaben muss oft der Auftraggeber festlegen.
  • Zurückgezogene Normen bleiben per datierter Verweisung im Vertrag nutzbar, wenn nichts entgegensteht.
  • Ohne Konsens im Gremium ist eine DIN SPEC der Ausweg; nach dem PAS-Verfahren ist der Download kostenlos.

Warum eine Norm die Bestellung nicht vollständig regelt

DIN 820 Beiblatt 3 ordnet die Rolle der Norm klar ein. Sie ist nicht die einzige, sondern nur eine Erkenntnisquelle für technisch-ordnungsgemäßes Verhalten im Regelfall. Der Anwender trägt die Verantwortung für die richtige Anwendung selbst. Deshalb muss er zwischen Anforderung, Empfehlung, Zulässigkeit und Möglichkeit unterscheiden können. Wer diese Verbformen nicht liest, deutet eine Kann-Regel schnell als Muss.

Für den Einkauf folgt daraus ein nüchterner Arbeitsschritt: vor der Anfrage prüfen, welche Angaben die Norm überhaupt enthält. Eine Norm enthält selten alle benötigten Angaben. Fehlendes gehört in die Bestellung, nicht in eine Rückfrage nach der Vergabe.

Leistungsmerkmale statt Produktbeschreibung

Nach DIN 820 Beiblatt 3 sollten Normen keine Produktbeschreibung oder Lösung vorgeben, sondern Leistungsmerkmale. Das soll den technischen Fortschritt nicht behindern. Beispiel: Eine Norm beschreibt eine Funktion, aber nicht die gewünschte Oberfläche oder Toleranz.

Solche offenen Punkte legt der Auftraggeber selbst fest. Werkstoffangaben sind ein typischer Fall. Bezieht sich eine Angabe nur auf eine bestimmte Sorte oder auf mehrere wahlweise verwendbare Werkstoffe, muss der Auftraggeber seine Wahl in die DIN-Bezeichnung einsetzen.

Beispielbestellung mit eigener Werkstoffwahl (Annahme)

Dies sind frei erfundene Bestellpositionen, keine Norminhalte und keine Preise.

Position Menge Normbezug Eigene Festlegung
Halterung 300 Stück aktuelle Norm Werkstoff 1.4301 in die Bezeichnung einsetzen
Flansch, Altmaschine 50 Stück historische Norm datierte Verweisung, Werkstoff X5CrNi18-10
Baugruppe, neu 4 Partner keine Norm Last max. 300 N, -10 bis 80 °C, Einbaumaß 25 mm

Wichtig bei Bildern in Normen: Darstellungen sind nicht maßstabsgerecht. Maße dürfen nicht daraus abgegriffen werden.

Historische Normen und datierte Verweise

Zurückgezogene, also historische Normen dürfen grundsätzlich weiter angewendet werden. Voraussetzung ist eine Vereinbarung zwischen den Vertragspartnern und kein gesetzliches Verbot. Das ermöglicht Ersatzteile für bestehende Produkte oder den Weiterbetrieb alter Anlagen. Zusätzlich gilt: Wird eine historische Norm in einer aktuellen Norm über eine datierte Verweisung in Bezug genommen, ist sie in diesem Zusammenhang weiter anzuwenden.

Für den Vertrag heißt das: die konkrete Ausgabe mit Jahr nennen, nicht nur die Normnummer. Eine pauschale Verweisung auf die jeweils gültige Fassung passt nicht zu einer Altmaschine. Ob eine datierte Verweisung zulässig ist, hängt vom Einzelfall, von Vertrag und Rechtsgrundlagen ab. Eine Rechtsberatung ersetzt dieser Artikel nicht.

Wann eine DIN SPEC der passende Weg ist

Findet ein Gremium keinen Konsens, nennt DIN 820 Beiblatt 3 die DIN SPEC als möglichen Ausweg. Der Erarbeitungsprozess von Spezifikationen läuft nicht zwingend unter Beteiligung aller interessierten Kreise und ist daher deutlich schneller. Spezifikationen können später die Basis für ein Normungsvorhaben sein. Für eine neue Baugruppe ohne passende Norm ist das ein realistischer Weg.

Die DIN-SPEC-Seite beschreibt den Ablauf so: DIN prüft das Anliegen, bringt Mitstreiter zusammen, klärt Widerspruchsfreiheit mit nationalen, europäischen und internationalen Normen und bindet die Öffentlichkeit ein. Hersteller- und Kundenanforderungen fließen in den Standard ein. Nach dem PAS-Verfahren erstellte DIN SPEC sind als Download kostenlos. DIN nennt für die Erstellung wenige Monate; Vertragslaufzeiten oder Projektpreise sind dort nicht belegt.

Checkliste für die Bestellung

  1. Norm und Ausgabejahr eintragen, nicht nur die Nummer.
  2. Prüfen, welche Angaben die Norm nicht liefert.
  3. Werkstoffwahl selbst in die Bezeichnung einsetzen, wenn mehrere Sorten offen sind.
  4. Leistungsmerkmale statt Produktbeschreibung formulieren.
  5. Bei fehlender Norm prüfen, ob eine DIN SPEC sinnvoll ist.

Häufige Fragen

Darf ich eine alte Norm einfach weiterverwenden? Grundsätzlich ja, wenn es vertraglich vereinbart und nicht gesetzlich untersagt ist. Nennen Sie die Ausgabe mit Jahr.

Wann ist eine DIN SPEC die bessere Wahl? Wenn kein Konsens erzielt wird oder ein Thema hohen Innovationsgrad hat und schnell geregelt werden soll. DIN nennt wenige Monate bis zur Veröffentlichung.

Sind DIN SPEC kostenpflichtig? Nach dem PAS-Verfahren erstellte DIN SPEC werden laut DIN kostenlos zum Download bereitgestellt. Preise für andere Projekte nennt die Seite nicht.

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